Das siebte K steht für Kollekte
Der Lippische Orgelsommer war in Lage zu Gast
Margarete Wissmann vom Ortsverein Lage und Friedrich Brakemeier vom Lippischen Heimatbund begrüßten die Gäste. Brakemeier, Beauftragter für den Orgelsommer, fügte augenzwinkernd hinzu: „Wir haben noch ein siebtes K – die Kollekte“.
Ein Gotteshaus als Keimzelle der Stadt
Kirchenvorstandsmitglied Christiane Dorß-Dierker nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Marktkirche. Das Gotteshaus gilt als Keimzelle der Stadt Lage. Seine Ursprünge reichen bis etwa 900 n.Chr. zurück. Die Johannes dem Täufer geweihte Kirche wurde im 15. Jahrhundert zu einer spätgotischen Hallenkirche umgebaut. Bei Renovierungsarbeiten wurden 1973 Wandmalereien des 15. Jahrhundert entdeckt. Eine vollständige Freilegung wäre allerdings mit erheblichen Kosten verbunden. Das Sandsteintaufbecken schuf der Lagenser Bildhauer Kubinsky 1952. Die Kanzel kam 1992 aus der nicht mehr genutzten Schlosskapelle Schieder nach Lage.
Die 1707 erbaute Barockorgel trägt den Namen ihres Erbauers Johannes Vincke. Gestiftet wurde sie vom damaligen lippischen Landesherrn Graf Friedrich Adolf und seiner Frau Amalie von Solms-Hohensolms. Daran erinnert eine hölzerne Stiftertafel. Das Rückpositiv kam 1947 hinzu. Die Orgel verfügt über rund 2000 Pfeifen und 25 Register, von denen sechs aus der Ursprungsorgel stammen.
Im Kirchturm hängt die große Glocke „Maria“, die seit 500 Jahren zur Marktkirche gehört und eine der ältesten Glocken Lippes ist. Ein Glockenspiel, das Rudolf Teilbüscher 2002 spendete, erklingt mehrmals täglich.
Nach Kaffee und selbst gebackenem Kuchen im Gemeindehaus wurde es musikalisch. Da der angekündigte Prof. Andrzej Chorosinski aus Warschau erkrankt war, übernahm Adam Lenart das Konzert. Lenart war Schüler Chorosinskis in Breslau, studierte in Dänemark sowie Detmold und wurde bei Orgelwettbewerben ausgezeichnet. Seit 2020 ist er Kirchenmusiker in Bielefeld.
Klangpracht zwischen Bach und Hesse
Zum Auftakt ließ Lenart die Hymne „Pange Lingua“ von Nicolas de Grigny in strahlenden Klangfarben aufleuchten. Es folgte Johann Sebastian Bachs Toccata C-Dur BWV 564. Virtuose Manualpassagen und markante Pedaltöne wechselten mit einem gesanglichen Adagio. Die abschließende Fuge entwickelte eine tänzerische Energie.
Kontrastvoll interpretierte Lenart die sieben Orgeltrios des Bachschülers Friedrich Christian Mohrheim (1719–1780). Die drei letzten, auf Chorälen basierenden Trios, näherten sich dem Charakter von Choralvorspielen. Die Melodien traten markant hervor und schwebten über weich grundierten Klangflächen.
Das polnische Friedenslied „Unfriede herrscht auf der Erde“ lud als Gruß aus der Heimat des Organisten die Besucher zum Mitsingen ein.
Die fünf Variationen über ein romantisches Originalthema op. 34 des Breslauer Komponisten Adolph Friedrich Hesse (1809–1863) erwiesen sich als musikalisches Kaleidoskop. Mal stürmisch und virtuos, mal hymnisch oder meditativ brachte Lenart die unterschiedlichen Charaktere der Variationen zum Leuchten.
Den krönenden Abschluss bildete Hesses Toccata As-Dur op. 85. Hier zog Lenart noch einmal sämtliche Register und entlockte der Orgel ihre volle Klangpracht. Brillanz, rhythmische Energie und die imposante Klangfülle der Orgel sorgten für langanhaltenden Beifall. Die nächste Station des Lippischen Orgelsommers ist am 16. August die Ev.-ref. Kirche Hiddesen.
11.08.2026
